| Die Geschichte von Honda |
| Geschrieben von Rolf | ||||||
Seite 1 von 4 Vor 52 Jahren startete Soichiro Honda seine große
Firmenkarriere. Im Oktober des Jahres 1946 begann der pfiffige Techniker, kleine 50-ccm-Motörchen an Fahrräder zu basteln. Aus dem Garagenbetrieb wurde der weltgrößte Motorradhersteller..
Sein Auftreten war selbstsicher - ein Mensch, der wußte, was er wollte. Als dieser Mann jedoch den Kasernenkommandanten in seiner Heimatstadt bat, sämtliche Restbestände der 50-ccm-Zweitaktmotoren kaufen zu dürfen, wurde Soichiro Honda ausgelacht. Ob er Schrotthändler sei und was er mit dem alten Zeug wolle, mußte sich der 40 jährige fragen lassen. Letztendlich bekam er doch das Gewünschte. Und nachdem Honda dem Offizier flugs ein dickes Bündel Yen-Noten in die Hand gedrückt hatte, befahl dieser einigen Soldaten, beim Verladen der 500 Motoren zu helfen.
Kurz nach Kriegsende lag Japan in Schutt und Asche. Wirtschaftlich ging es allerdings schnell bergauf; was jetzt dringend gebraucht wurde, waren billige motorisierte Fahrzeuge: Mopeds, Roller, Leichtmotorräder und kleine Dreivehikel. Für dieses Problem hielt Soichiro Honda eine passende Lösung parat. Ließe sich an ein Fahrrad ein kleiner Hilfsmotor schrauben, könnte man die beschwerlichen Wege bequemer und schneller bewältigen. Zum Glück hatten viele Leute ihre Drahtesel unbeschädigt durch die Kriegswirren gebracht - so kam das "Einmann-Unternehmen" in der nächsten Zeit kaum noch zur Ruhe. Die Firma, die in einer vier mal sechs großen Holzbaracke logierte, nannte Soichiro Honda stolz Honda Technical Research Institute.
Sein Handwerk hatte der 1906 in Komyo geborene Techniker von der Pike auf gelernt. Bereits vor seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, die Honda 1922 in der Autowerkstatt von Art Shokai in Tokio begann, war der Filius vom Technik-Bazillus befallen. Kein Wunder. Sein Vater, Gihei Honda, arbeitete nämlich im Vorort von Hamamatsu als Schmied. Viel Geld ließ sich mit dem Handwerk allerdings nicht verdienen. Die Familie war arm und mußte obendrein großes Leid ertragen: Fünf ihrer neun Kinder starben an einer heimtückischen Krankheit. Während seiner Lehre in Tokio erlebte Soichiro Honda die Sonnen- aber auch die Schattenseiten des Lebens.
Als folgenschwer erwies sich das Rennfaible seines Chefs Art Shokai, das prompt auf den Lehrling übersprang. Nicht nur, daß der erst 18jährige Soichiro an den 8,2-Liter-V8-Curtiss- Rennwagen mitarbeiten durfte, sein Chef nahm ihn auch als Co-Pilot mit. Das Team Shokai/Honda gewann anno 1923 im über 160 km/h schnellen Wagen zahlreiche Rennen auf dem "Tamagawa-Ground" bei Tokio. Nicht ein Rennunfall, sondern eine Naturkatastrophe beendete die Karriere. Im September 1923 vernichtete ein gewaltiges Erdbeben fast die ganze Stadt. Auch Tohios größte Autowerkstatt blieb dabei nicht verschont. Von den 16 Mitarbeitern, die bei Art Shokai beschäftigt waren, überlebten wie durch ein Wunder nur der Altmeister Ichioo und der Lehrling Soichiro Honda. Gut fünf Jahre blieb der junge Honda in Tokio, 1928 kehrte er nach Hamamatsu zurück. Hier eröffnete er in einem Hinterhof eine kleine Werkstatt und reparierte zunächst alles, was ihm unter den Schraubenschlüssel kam.
Dabei sollte es aber nicht bleiben, denn in seinen Adern floß immer noch "Racing-Oil". Das Geschäft lief so gut, daß sogar Geld und Zeit übrig blieb, um sich einen Rennwagen zu bauen und an Wettbewerben teilzunehmen. Bis 1937 ging der Spaß gut, dann verunglückte der begabte Werkstattchef und Vollgasfahrer bei einem Rennen schwer. Noch im Krankenhaus beschloß Soichiro Honda, sein Lebensunterhalt fortan mit der Herstellung von Kolbenringen zu verdienen. Er studierte Metallurgie, entwickelte eine Fertigungsmethode zur Großserienherstellung dieser Bauteile und erweiterte später seine junge Firma mit der Spezialbearbeitung von Flugzeugpropellern. Mittlerweile war Japan in den zweiten Weltkrieg verwickelt, und in der Honda-Fabrik gab es alle Hände voll zu tun. Aber auch das Land selbst blieb vom Kriegsgeschehen nicht verschont, systematisch legten amerikanische B-29-Bomber die Industrie und vieles mehr in Schutt und Asche. Hondas Fabrik wurde ebenfalls schwer beschädigt.
Kaum vom Schock erholt, zerstörte Anfang 1945 ein schweres Erdbeben die verbliebenen Überreste. Dann kam das Kriegsende, und im Kaiserreich begann das Leben nach der Stunde Null. Knapp ein Jahr war Soichiro Honda mit den Montagearbeiten der 500 Armee-Motoren an Fahrrädern Beschäftigt. Soichiro Honda hatte 1946 einen guten Riecher, seine Firma stand bald in der ersten Reihe. Als Techniker war er zweifellos genial, doch in geschäftlichen Angelegenheiten verlor er den Überblick. Einen Großteil seiner Maschinen hatte er nämlich der Händlerschaft auf Kommission gegeben, und die beeilten sich mit der Bezahlung überhaupt nicht. Zum Glück fand er für die kaufmännischen Belange in Takeo Fujisawa einen idealen Partner.
Nach Feierabend konstruierte und baute er 1947 sein erstes eigenes 50er Zweitakttriebwerk.
Dieser Typ-A-Motor ließ sich ebenfalls am Fahrrad
befestigen. Allen Unkenrufen zum Trotz funktionierte das ein PS starke,
drehschiebergesteuerte Motörchen tadellos. Was in den nächsten Jahren folgte, war
der kometenhafte Aufstieg einer Hinterhoffirma zum Weltgrößten Motorradhersteller.
Im Oktober 1951 brachte Honda einen für
japanische Verhältnisse sensationelles Viertaktmotorrad auf den Markt. Als
Triebwerk diente ein neu entwickelter 146er ohv-Einzylindermotor mit zwei Ein- und
Auslaßventilen.Die Honda Dream E leistete 5,5 PS, erinnert allerdings mit ihrem
Preßstahlrahmen und der Geradweg-Hinterradfederung sehr stark an bekannte Maschinen
aus Deutschland. Maßgeblich verantwortlich für den Bau dieses Motorrades war
Hondas Geschäftspartner Takeo Fujisawa. In weiser Voraussicht hatte der clevere
Finanzmanager mit dem Argument "Viertakter sind leiser, stinken nicht, sind
umweltfreundlicher, ihnen gehört die Zukunft" auf eine Modellerweiterung
bestanden. Der Stein war ins Rollen gebracht, von der Dream E wurden pro Tag 130
Motorräder gebaut, die nächsten Viertakter ließen nicht lange auf sich warten.
Parallel zum ersten GP-Engagement auf der TT baute Honda für die nationale japanische Straßenmeisterschaft 1959 ein 250er dohc-Vierzylinder- Königswellen-Rennmotorrad. Eine gewisse Ähnlichkeit zur NSU-Vierzylinder- Werksmaschine R54 von 1951 ließ sich allerdings nicht leugnen. Das 35 PS starke Honda-Vierventilaggregat dreht locker 14.000 U/min. Eingebaut war es in einem unten offenen Einrohr-Brückenrahmen, vorn besaß die RC 160 eine Kurzschwinge, hinten eine Schwinge und zwei Federbeine. Besohlt war der unverkleidete Racer jedoch mit Geländereifen: Der "Straßenkurs" von Asama glich nämlich eher einer Moto-Cross-Piste. Alle drei Rennen wurden 1959 von Sadao Shimazaki mit der neuen Honda RC 160 gewonnen.
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Plauderecke : Polabzieher
Roller-Technik : CH 250 Elite